Nachdem die Welt in der Wurfkiste nun endgültig zu klein wurde habe ich angebaut. An die Schlafkiste angeschlossen gibt es jetzt einen Auslauf, noch ausgelegt mit VetBed Unterlage, denn auf dem glatten PVC-Boden klappt es mit der Fortbewegung noch nicht so. Was schade wäre, stehen die kleinen Hündchen doch gerade wackelig auf ihren Beinen und laufen statt zu robben. Außer es soll mal besonders schnell gehen…
Dazu haben wir ein Klo eingerichtet, wie man sehen kann beginnen die Welpen den Sinn auch schon zu verstehen. Wer liegt schon gerne im eigenen Pippi? Und da sie sich mittlerweile selber lösen können – mit hoch konzentriertem Gesichtsausdruck – ist so eine saugfähige Unterlage schon irgendwie netter. Da sind wir uns schon mal alle einig.
Damit es nicht langweilig wird gibt es einen kleinen Steg, Erbschaft unseres letzten Meerschweinchens, eine Raschel-Katzenhöhle und diverse wechselnde Gegenstände zum Untersuchen. Untersucht werden jetzt auch die Geschwisterchen, erste Rangeleien sind schon zu beobachten. Da wird dann eben auch mal an der Schwester gelutscht oder ein unbeholfener Pfotenschlag ausgeteilt. Meistens fallen dann beide um.
Noch ist es „draussen“ sehr aufregend, wenn die Kleinen auf Erkundungstour gehen wird noch gebrabbelt und erzählt, Haley ist ein wenig besorgt und würde die am liebsten alle in die Kiste sperren, glaube ich. Aber nach ein paar Ausflügen trauen sich die meisten auch jetzt schon draussen zu schlafen – oder vielleicht schaffen sie es auch nicht mehr bis rein und fallen nach all den aufregenden neuen Eindrücken um so sie gerade gestanden haben. Ausnahme: das Teufelchen. Die stakst immer wieder rein zum schlafen, Ordnung muss sein!
Die erste Entwarnung am Sonntag haben alle gut überstanden, kein Durchfall oder sonst irgendwelche Anzeichen, dass sie das Wurmmittel nicht vertragen haben. Da sie weiterhin fleißig zunehmen habe ich noch nicht zugeführt, noch scheint Haley in der Lage die Vollpension zu übernehmen. Das Putenhack steht aber schon im Kühlschrank bereit, sollte ich das Gefühl haben die Kleinen sind dauerhungrig oder nehmen nicht mehr gut zu schreite ich zur Tat.

Welpen
Tag 14 – Aus Meerschweinchen werden kleine Hunde
Mittlerweile haben drei Welpen die Augen offen, zwei weitere blinzeln bereits. Auch sonst schreitet die Entwicklung rasant weiter. Die Gewichte liegen jetzt zwischen 1.310 Gramm (der Kreuzritter) und 1.140 Gramm (das Sternchen). Auch die Gehörgänge öffnen sich langsam und die Bande ist insgesamt viel agiler in den Wachphasen. Da wird dann schon gestrampelt und man stemmt sich auf die kleinen Beinchen um vorwärts zu kommen.
Die Verdauung klappt jetzt auch ohne anregendes Lecken von Mama, was dem einen oder anderen Welpen auch schon ersten Kontakt mit einem Strahl fließenden Wasser im Waschbecken beschert hat. Das muss man sich so vorstellen: in Abwesenheit von Mama schafft es ein Welpe, sich einen Knödel raus zu drücken (sonst würde diese es gleich entsorgen). Dummerweise tappst der nächste dann durch den breiigen Milchkot und schmiert sich das Zeugs an die Pfoten und/oder den Bauch. Als nächstes kuschelt er sich dann an ein Geschwisterchen, damit der auch was davon hat. Irgendeiner findet das dann eklig und brüllt, woraufhin Haley und ich unser Bestes tun den Originalzustand wieder herzustellen. Das Szenario hatten wir jetzt bestimmt schon zwei oder drei Mal. Auftritt Puppy Pads ab morgen…
A Propros morgen und Sauerei: morgen gibt es die erste Runde Welpan Wurmmittel, wir freuen uns also schon auf einen Satz rosa Welpen.
Hier ein kleiner Einblick wie agil die Kleinen schon sind: das Sternchen beim abendlichen Babyturnen (auf das Bild klicken, dann öffnet sich der Link zum Video).

Tag 12 – Und Action!
NEWSTICKER
++++ Der erste Welpe öffnet die Augen ++++ Der erste Ausflug vor die Wurfkiste ++++ Die erste Maniküre/Pediküre ++++ Neue Freunde in quietschgrün ++++ Maggie kennengelernt (aber heimlich) ++++

Wie man sieht wird es lebendig! Heute habe ich mal die Tore zum Zimmer geöffnet, prompt kamen ein paar Babies aus der Wurfkiste gepurzelt. Da sie gleich an Haleys weichem Milchbauch gelandet sind fanden sie das aber nicht schlimm.
Skandalöser war da schon das erste Krallen schneiden. Kaum zu glauben wie lang und spitz die schon waren. Bevor sie Haley damit weiter traktieren – schnipps und weg. Gar nichts oder einfach, da wurde teilweise noch etwas gezappelt, auch wenn ich ja die Welpen ausgiebig anfasse und auch mal festhalte. Es ging aber trotzdem ohne Unfall ab, alles noch dran was wir behalten wollen.
Da sie ja nun schonmal draußen waren habe ich mich gleich noch als Welpenfotograf versucht. Das mit posende Krokodil war der Hit und wurde von allen vier Modellen gleich adoptiert. Neue Freunde kann man ja immer gebrauchen. Ansonsten wären die Kleinen unkooperativ wie immer. Erst als sie etwas müde waren gelangen mir diese halbwegs vorzeigbaren Fotos. Der Kreuzritter und das Silberfischchen lassen sich entschuldigen, irgendwie haben mich die anderen schon so geschafft dass die beiden ungeschoren davon kamen. Morgen dann…




Maggie hat sich heute in Haleys Abwesenheit mal an die Kiste getraut und vorsichtig über den Rand gelugt. Das quietschen und fiepsen und die hoch gereckten Köpfchen haben sie aber gleich wieder den Rückzug antreten lassen. Die wollen ja bloß das Eine, da kann sie noch zwei Wochen warten.
Außer dem Teufelchen sind die Augen noch bei allen verschlossen, ersteres guckt schon mit Schlafzimmeblick in die Lande. Bis Welpen ungefähr 10 Wochen alt sind ist das Sehen noch nicht komplett ausgebildet, aber irgendwie hat man ja doch den Eindruck sie gucken einen an. Mal sehen wer morgen blinzelt.

Tag 2 – Angekommen
Der heutige Tag verlief erfreulich unspektakulär. Haley schläft weiterhin viel, kümmert sich hingebungsvoll um die kleine Schar und flitzt zwischendurch schnell in den Garten um ihre Geschäfte zu erledigen und ein bisschen herum zu schnuppern. So langsam findet sie ihren „schlafen – füttern – putzen – fressen und von vorne“ Rhythmus.
Alle Welpen haben seit der Geburt schon zwischen 80 und 100 Gramm zugenommen und fühlen sich warm und prall an – immer ein gutes Zeichen. Wie das bei so vielen Mädchen nicht anders zu erwarten ist, geht es etwas gesprächiger zu; hier wird auch im Schlaf gequietscht und gebrabbelt was das Zeugs hält. ;o)
Auch für die Großen kehrt wieder Normalität ein, mit den beiden Australiern habe ich heute einen schönen langen Spaziergang gemacht, Benni und ich haben etwas Zeit beim Durchzählen der Löwenzahnblüten im Garten zusammen verbracht. Alle zufrieden.
Bis auf die Waschmaschine – die hat sich heute Abend verabschiedet. Das ist natürlich ein super Zeitpunkt. Ich hoffe auf eine Spontanheilung über Nacht…
Anbei ein paar Bilder von heute Abend, auf Facebook habe ich auch ein paar kleine Videos hochgeladen, falls jemand sich die Schar einmal Live ansehen möchte.
Haley hat Frühlingsgefühle
Es bahnte sich ja schon an, aber scheinbar hat Madame noch auf besseres Wetter gewartet; pünktlich mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wird Haley nun läufig.
Dann muss ich wohl doch mal so langsam mit dem Renovieren zum Ende kommen und den Kalender heraus holen. Warnung an alle ahnungslosen Rüden in der Umgebung; eure nette kleine schäkernde Freundin wird sich in eine schlecht gelaunte Furie verwandeln, wenn ihr auch nur auf das letzte Körperdrittel guckt oder unzüchtige Gedanken in irgendeiner Form habt – die katholische Kirche wäre begeistert! Ich sag dann Bescheid wann die weißen Schäferhunde an die Kette zu legen sind…
Jetzt schauen wir erstmal ob der Herpesimpfstoff wieder verfügbar ist und harren der Dinge die da kommen. Und wenn ich mal so rechne; Decken am Karnevalswochenende, Geburt um den ersten Mai – das klingt doch wieder nach einem typischen Haley-Plan…

Tag 53 der Trächtigkeit
Haley hat „schwanger sein“ offensichtlich jetzt zu ihrem Vollzeitjob deklariert. Heute Nacht kam sie zu mir ins Bett gekrabbelt damit ich an ihrem ich-kann-nicht-schlafen Gezappel teilhaben konnte. Am liebsten liegt sie jetzt irgendwie so, dass sie sich an meinem Bein abstützen kann – dann kann man nämlich noch auf dem Rücken liegen ohne zur Seite weg zu rollen.
Spaziergänge machen wir jetzt in zwei Schichten: Senioren-Schwangeren-Schnupper-Schlender-Runden auf zivilisierten Wegen und lange Renn-Spiel-Tobe-Mäusefangrunden querfeldein für die beiden Großen. Wobei das mit dem „lang“ auch nicht mehr lange lang ist – sie mag offensichtlich nicht mehr gerne alleine sein. Harte Zeiten für alle… 😜
Heute waren wir beim TA, schauen ob alles OK ist. Haley wiegt jetzt 22 kg, hätte gedacht das wäre mehr. Da ist noch Luft nach oben. Wobei sie jetzt schon nicht mehr lange still liegen kann und zeitweise wild hechelnd vor mir steht. Die Milchleiste sieht auch langsam wie eine aus. Und die anderen drei sind bereits leicht genervt weil alle Betten zerwühlt sind – Madame übt sich schon mal im Nestbau.
Es wird also so langsam ernst.

Das letzte Drittel der Trächtigkeit – Tag 47
Nach dem erfolgreichen Wochenende in Rheinbach haben wir jetzt offiziell den Mutterschutz eingeläutet. Haley kann Ihr Trächtigkeit auch nicht mehr verbergen, ich habe zwar in den letzten Tagen keine Gelegenheit gehabt sie auf die Waage zu stellen, aber die 20 kg Grenze hat sie locker durchbrochen. Aber auch so hat sich einiges verändert. Normalerweise ein sehr kontaktfreudiger Hund – von rassetypischer Zurückhaltung keine Spur – hat sie nun keinerlei Intersse mehr an neuen Bekanntschaften. Körperliche Unversehrtheit ist wichtig, da geht man kein Risiko ein wenn man den Gegenüber nicht kennt. Auch mit bekannten Hunden geht sie anders um, ein wenig herum schnuppern und schlawenzeln ist OK, wildes Spiel, nein Danke! Schlaues Hündchen!
Das macht Spaziergänge allerdings derzeit nicht einfacher. Da ich direkt nach dem Wochenende zu einer Fortbildung musste, sind wir viel im Dreierpack unterwegs. Benni ist tagsüber bei meinen Eltern, aber die Aussies sind dabei. Das bedeutet zum einen viel Zeit im Auto oder Seminarraum, was Haley derzeit nicht schlimm findet, da sie sowieso viel schläft. Aber da 20 Hundetrainer für gewöhnlich etwa 30 Hunde dabei haben ist es nicht immer ganz einfach den gewünschten Individualabstand einzuhalten, wenn man in der Mittagspause schnell mal in den Wald will. Und in Kombination mit der ebenfalls bald läufig werdenden Maggie und dem eifrig auf „seine“ Mädchen aufpassenden Flakes haben neugierige Fremdhunde wenig zu lachen – und ich auch nicht, wenn ich die drei näher als 10 Meter an diesen vorbei lotsen will. Wie klein die Oberbergischen Wälder plötzlich sind…
Ansonsten passt das mit der Fortbildung gut zu einer Schwangerschaftsvorbereitung: viele Spaziergänge an der frischen Luft in den Pausen – mehr als zu Hause – gutes Essen, schlafen. Und Engelskirchen ist sogar ein Luftkurort. Trotzdem wird Madame langsam quengelig, sie kann einfach nicht mehr so wie gewohnt, kommt schneller aus der Puste, kann nicht so hoch hüpfen, weiß nicht wie sie liegen soll. Und überhaupt, das Sofa hier im Gästezimmer taugt gar nichts, die Lehne ist zu hart und zu schmal. Mein Pech, denn dann liegt sie in meinem Bett. Ob ich noch dazwischen liege ist mein Problem, ihr völlig schnuppe. Ich wache dann eben zwischendurch auf, wenn die Blutzufuhr zum Bein über einen längeren Zeitraum abgeschnitten wurde.
Bis Ende der Woche geht das noch so weiter, ab Sonntag schalten wir noch einen Gang zurück. In der Osterwoche fallen in der Hundeschule sowieso viele Kurse aus, da können wir schon zu Hause abhängen und die Wurfkiste vorbereiten. Erfahrungsgemäß wollen die Hündinnen so kurz vor der Geburt auch nicht mehr viel in der Weltgeschichte rum laufen, was auch verständlich ist.
Also hören wir dieses Wochenende aus der Ferne wie sich unsere kleinen Dandelions in Dettelbach bei der Show schlagen, und auch unser Lieblingsevent Eksel Anfang April findet dieses Jahr komplett ohne uns statt. Aber dafür dürfen wir uns auf kleine lustige Haley-Kallebabies freuen.

Mission accomplished
Unser zweiter Ausflug in den Süden verlief ebenfalls erfolgreich, und irgendwie waren wir alle schon viel professioneller. Ich hatte den weißen Schäferhundmischling schon auf dem Schirm als wir noch auf dem Weg zur Red River Farm waren („Petra, drück aufs Gas, dann haben wir 20 Minuten bis der am Haus ist!“).
Haley kam schon begeistert quietschend aus dem Auto geschossen und hat sich sehr gefreut ihren neuen Verehrer wieder zu treffen. Sie hat aber auch gelernt, dass dem bei ihrem sinnlosen Gerenne schnell die Puste ausgeht und ließ es daher deutlich langsamer angehen. Kalle wusste bereits daß Madame sowieso bei ihm vorbei kommen würde, wenn sie fertig gerannt ist, und blieb daher einfach stehen.
Der eigentliche Deckakt ging so schnell, dass die beiden plötzlich hängend in der Landschaft standen. Ich bin dann trotzdem schnell zur Hilfe geeilt – ich habe immer Horrorvorstellungen, dass die Hündin los rennt wenn der Rüde noch drin hängt. DIE Schmerzen kann sogar ich als Frau nachempfinden… Die Idee war auch nicht dumm: nur Sekunden später tauchte eine stattliche Gruppe Rotwild auf, die langsam und gut im Sichtfeld kilometerweit über die Hügel hüpften, bis sie endlich im Wald verschwanden.
Hinterher haben die beiden wieder nett gespielt, auch da hat Kalle hinzugelernt; er unternahm dann keine ernsthaften Anstrengungen mehr, Haley nochmal zu besteigen, egal wie nett sie ihren Popo vor ihm hin und her geschwenkt hat. Man muss seine Kräfte auch mal realistisch einschätzen.
Haley war auch so zufrieden, hat sie doch aus Elisabeths Futterkammer noch ein gigantischen RInderohr abgestaubt, und für den Heimweg gab es noch eine Futterprobe und eine leckere Wurst. Junge Mädchen vorab mit so was zum Geschlechtsverkehr überreden zu wollen ist definitiv nicht OK, aber ich glaube hinterher ist das moralisch vertretbar.
Für den Menschen gab es dann noch leckeren Kuchen, dann ging es Richtung Heimat. Auch hier gab es auf dem Zwischenstopp noch mal leckeres Abendessen und Handball aus der Konserve (wir hatten extra das Radio nicht angemacht, damit uns niemand das Ergebnis verraten konnte). Wer hätte gedacht, dass Decken fahren mit so viel Essen verbunden ist?
Jetzt müssen wir eine Weile abwarten ob es geklappt hat, an Tag 28 stehe ich dann bibbernd vor dem Ultraschall und hoffe auf kleine Fruchtblaschen mit schlagenden Herzen.
Jetzt liegt es es an den kleinen Schwimmern sich den Weg zu den Eiern zu erkämpfen. Race On, Jungs!

Knapp 900 km, der Verlust der Unschuld und weiße Schäferhunde…
Gleich heute morgen ging es gen Süden, das langersehnte Stelldichein zwischen Haley und Kalle! Wie das so ist, wenn man Freitags durch die Lande fährt: Baustellen, Staus, Unfälle und dann wieder Staus. Eine kleine Pause auf halber Strecke, um Bran und Bodie zu besuchen und ein wenig die Beine im Garten zu vertreten, und weiter ging’s mit Mitfahrerin.
Fast drei Stunden später als geplant waren wir dann endlich auf der Red River Ranch – auf den letzten Metern quasi in konzentrischen Kreisen angenähert, wie ein Spürhund der seine Fährte verloren hat. Das war doch beim letzten Mal viel einfacher zu finden..?
Ab da lief es dann wie ich mir das vorgestellt hatte, ein begeistert quietschender Kalle wartete schon auf seine Schöne, und Haley fand Kalle nach wie vor nett zum Fangen spielen, wenn auch etwas langsam (Kalle, nicht dumm, hatte nach einer Weile aber raus dass sie immer wieder vorbei kommen muss, wenn man einfach auf einer Stelle stehen bleibt). Bisschen schnuppern, bisschen rennen, bisschen schäkern – wie das halt so läuft. Die ersten Aufsteigeversuche fand Haley noch etwas befremdlich, nachdem Kalle zweimal abgeschmiert war, die Dame wollte doch bitte noch ein wenig Vorspiel. Für Kalle in Ordnung, ein sehr netter Rüde.
Dann überschlugen sich die Ereignisse allerdings. Wir standen nämlich einfach nur mit den Hunden auf dem Hof rum, wo sie frei über Wiesen und Reitplätze flitzen konnten. Plötzlich bog ein Pärchen mit einem Schäferhund um die Ecke. Vorbei die romantische Stimmung, Haley liess Kalle im Regen stehen und musste erst mal die 20 Meter Richtung Neuankömmling flitzen. Vier entsetzte Augenpaare (3 menschliche, 1 Hund) folgten ihr.
Kennen Sie die Berichte, bei denen Menschen in Unfallsituationen in Sekundenschnelle ihr Leben an sich vorbei ziehen sehen? So in etwas ging es mir in diesem Moment. Natürlich hatte ich nicht die Geistesgegenwart zu rufen, das wäre vermutlich sowieso vergeblich gewesen. Die Pfeife – auf die hört sie in jedem Fall – hing natürlich im Auto. Dass es sich bei dem Ritter im weissen Fell um einen Rüden handelte war nicht zu übersehen. Vor meinem geistigen Auge sah ich einen schnell handelnden Schäferhund, der sich auf Haley schmeisst. Ein Jahr Planung, diverse Gesundheit- und Gentests. Das teure und umständliche Röntgen der Hüften, Ellenbogen und Wirbelsäule unter Vollnarkose. Stundenlanges Studieren von Stammbäumen, Linien, einzelnen Rüden. Gespräche mit anderen Züchtern, mehr Stammbäume, Linien und Rüden ansehen, inklusive persönliches Kennenlernen.
Und alleine heute – Absagen von Kursterminen, Umquartieren von zwei Hunden, über vier Stunden Fahrt, nur um den Auserwählten zu treffen. Und dann bändelt Madame mit einem zugegebenermaßen sehr netten Schäfermischling an. So Haley. So lustig. So unkomisch. Zum Glück besann ich mich auf meinen Pfiff (ohne Pfeife zwar ein ziemlicher Rohrkrepierer, aber besser als gar nichts) und Haley sich auf ihre Erziehung; sie kam dann fröhlich zurück galoppiert, sehr zum Bedauern des anderen Rüden.
Kalle wollte dann wohl auch kein Risiko mehr eingehen und hat auf weiteres Vorspiel verzichtet, so dass die Dinge ihren Lauf nahmen. Die Bilder sind hinterher entstanden, quasi die „Zigarette danach“. Die beiden haben nach dem Hängen noch richtig nett gespielt, einträchtig geschnuppert und arglose Besucher und potenzielle Ohrenkrauler belästigt. Kalle hat auch noch mal kurz überlegt, ob er noch mal könnte, als Haley ihm das Popöchen wieder vor die Nase hielt. Wie heisst es so schön, das Fleisch ist willig, ABER… Da kommen wir lieber am Sonntag noch mal für eine zweiten Besuch.
Jedenfalls war der Heimweg sehr lustig, weil wir die halbe Strecke bis zur Heimat meiner Mitfahrerin – danke Petra! – vor Lachen keuchend im Auto hingen, während wir an die Szene mit dem Neuankömmling dachten. Da denkt man es sei typisch Haley an Karneval Babies zu machen und die am 1. April zur Welt zu bringen. Aber natürlich hat Madame da noch VIEL lustigere Ideen.
Jetzt sind wir jedenfalls erst mal wieder zu Hause, morgen passiert nichts Spannendes im Hormonland, Sonntag machen wir dann einen zweiten Ausflug. Nachdem ich die Gegend im Umkreis auf potenzielle Konkurrenten für Kalle abgescannt habe…


Tag 10 der Läufigkeit
Heute war ich nochmals mit Haley beim Tierarzt, einen Abstrich machen. In den zwei Tagen seit der letzten Probe hat eine deutliche Entwicklung der Zellen stattgefunden; der Termin für Haleys erstes Date mit Kalle steht damit fest – am Freitag fahren wir Richtung Süden.
Auch zu Hause wird es langsam unruhiger. Das Wuschelding ist nach wie vor nicht interessiert, aber der völlig (Deck-)ahnungslose Flakes kommt immer wieder und leckt Haley durchs Gesicht und bemüht sich auch sonst viel um ihre Aufmerksamkeit. Da die junge Dame ja sowieso gerne im Mittelpunkt steht und die Individualdistanz eines Labradors hat findet sie das ausgesprochen gut. Maggie ist eher genervt, denn Haley ist ausgesprochen unruhig und zwangsbespielt die flach in Seitenlage am Boden liegende, sich tot stellende große Schwester gnadenlos.
Draussen sind wir mittlerweile nur noch an der Leine unterwegs. Wie das immer so ist wenn die eigenen Hunde an der Leine sind scheint die Anzahl der leinenlos auf uns zugaloppierenden Tutnixe zu steigen, wo kommen die nur plötzlich alle her? Ich bin sicher meine Rüden finden die atemlos hinterher gebrüllten „Der tut nix“ und „der will nur spielen“ Kommentare der Besitzer total unkomisch. Ja, die gibt es wirklich noch. Genau dieser Wortlaut. Ich überlege, nur noch in freiem, gut übersichtlichen Gelände spazieren zu gehen. Deutsches Wattenmeer oder belgische Felder, das ist noch die Frage.
Genau so erstaunt war ich über die durchaus ernst gemeinte Frage einer Münsterländerbesitzerin, warum Haley denn in ihren Stehtagen nicht mit ihrem potenten Jungrüden spielen durfte. Ich hatte ein Spieldate am Wochenende mit dem Verweis auf Haleys hormonellen Zustand und den wartenden Kalle abgelehnt. Zuerst dachte ich mit der Geschichte von der Blume und der Biene Verständnis schaffen zu können. Wie sich herausstellte hatte die Dame aber durchaus das nötige technische Verständnis – sie konnte nur nicht nachvollziehen, warum es denn ein Problem sein könnte, lustige Australische Münsterländer zu kreieren. Auf weitere Nachfragen wollte sie aber auch keinen Welpen aus dieser Verpaarung, sie fand lediglich die Idee toll, dass ihr Jungrüden Papa werden sollte. Aber keine Angst liebe Welpeninteressenten, auch auf die Gefahr als Snobs da zu stehen, wir bleiben bei Kalle…
